WIR GESTALTEN DEN WANDEL HIN ZU EINER INTELLIGENTEN FEUERBEKÄMPFUNG

CEO Dieter Siegel über die Zukunft der Feuerwehrbranche und seine Vision für die strategische Positionierung des Rosenbauer Konzerns im Jahr 2030.

Im Gespräch mit dem CEO

Klimawandel, sozialer Wandel und Digitalisierung – die Welt und mit ihr das Feuerwehrgeschäft sind dabei, sich nachhaltig zu verändern. Dazu kommt die Verschiebung der globalen Märkte. Rosenbauer wird als Technologieführer diesen Transformationsprozess aktiv gestalten und mit innovativen Produkten und Lösungen die Grenzen der Technik neu definieren. Die Herausforderungen der Zukunft sind dabei auch Chancen, ist Dieter Siegel überzeugt, die Rosenbauer mit großer Verantwortung für Umwelt, Gesellschaft, Mitarbeitende und Industrie nutzen will.

Herr Siegel, auch wenn die Zukunft bekanntlich nicht vorhersagbar ist: Wer sie gestalten will, muss die Richtung kennen. In welche Richtung geht die Feuerwehrbranche?

D. Siegel_ Die Feuerwehrbranche wird wachsen, weil auch das Sicherheitsbedürfnis der Menschen weltweit wächst, insbesondere in den Städten. Das ist ein seit Jahren zu beobachtender Trend. Die Marktsegmente werden sich verschieben, weil der vorbeugende Brandschutz in Relation zum abwehrenden Brandschutz einen größeren Stellenwert bekommen wird, schon allein wegen seiner Bedeutung für den Klimaschutz.

Feuerwehren und Einsatzorganisationen werden sich neuer Technologien bedienen, weil sie ohne Vernetzung, ohne digitalisierte Produkte, ohne intelligente Ausrüstung und Fahrzeuge künftig ihren Auftrag im Rahmen einer koordinierten Sicherheitsinfrastruktur, Stichwort: Smart City, nicht werden erfüllen können. Und sie werden mit ihren Ausstattern noch enger als bisher zusammenarbeiten, weil die Herausforderungen, die sie zu meistern haben, immer komplexer werden, Stichwort: Elektromobilität. Sie werden in Zukunft auch nicht mehr alles selber machen, beispielsweise das Servicieren von E-Feuerwehrfahrzeugen, und einen Partner an der Seite haben wollen, der sie mit den richtigen, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Produkten und Lösungen versorgt und auf den sie sich auch im After-Sales-Service hundertprozentig verlassen können.

Wir übernehmen diese Verantwortung, weil wir sie für den Erfolg des Rosenbauer Konzerns als essenziell betrachten. Genauso, wie wir davon überzeugt sind, dass es den wirtschaftlichen Erfolg braucht, um diese Verantwortung wahrnehmen zu können.

Sie haben die Komplexität der neuen Herausforderungen erwähnt. Wie hilft Rosenbauer den Feuerwehren, diese Themen zu bewältigen?

D. Siegel_ Indem wir uns ebenfalls breiter aufstellen, über unser Produkt- und Leistungsspektrum hinausdenken und zu wichtigen Themen eine ganzheitliche Expertise aufbauen sowie ein möglichst komplettes Produktprogramm anbieten. Wir streben also neben der Innovations- und Technologieführerschaft auch die Themenführerschaft auf bestimmten, von uns definierten Gebieten an. Zum Beispiel bei der digitalen Transformation des Feuerwehrwesens, der Elektrifizierung von Fahrzeugen und Einsatztechnik oder beim Thema Waldbrand und seinen vielen Facetten.

Wir verändern die Welt der Brandbekämpfung, indem wir klassische Feuerwehrtechnik mit neuen digitalen Lösungen verbinden.

CEO Dieter Siegel

Welche Schlüsse ziehen Sie aus den Herausforderungen der Branche für den Rosenbauer Konzern?

D. Siegel_ Wir sehen in diesen Entwicklungen vor allem eines: Chancen! Chancen, mit neuen, digitalen Produkten und Lösungen neue Geschäftsfelder zu erschließen und uns auch bei der Transformation der Feuerwehren als Technologieführer zu empfehlen. Wir sehen Chancen, wertigere Produkte zu verkaufen, weil klassische Feuerwehrtechnik eine digitale Ergänzung erfahren wird, um sie im vernetzten Feuerwehralltag einsetzen zu können. Wir sehen auch die Chance, unsere Position als integrierter Brandschutzkonzern in Richtung Prävention auszubauen und dabei von den Stärken und Synergieeffekten als größtes Unternehmen der Branche zu profitieren. Zudem verbinden wir Wachstumschancen mit der Elektrifizierung der Feuerwehrfahrzeuge, einem ausgebauten Customer Service sowie einem verstärkten Online-Angebot unseres Komponenten- und Ausrüstungsportfolios.

Lassen Sie uns konkreter werden. Wo steht das konventionelle Fahrzeuggeschäft im Jahr 2030 und welche Rolle werden E-Fahrzeuge im zukünftigen Produktprogramm spielen?

D. Siegel_ Konventionelle Produkte werden in neun Jahren immer noch den größten Teil unseres Geschäfts ausmachen und die Fahrzeuge den meisten Umsatz beisteuern. Die elektrische Transformation, vor allem großer Fahrzeugflotten, wird bis dahin aber deutlich an Fahrt aufgenommen haben. Wir schätzen, dass knapp die Hälfte aller Fahrzeuge, die wir im Jahr 2030 an Einsatzorganisationen liefern, elektrifiziert sein werden. Bis 2023 wollen wir jedes Fahrzeug bzw. jede Fahrzeugtype, die Rosenbauer weltweit verkauft, auch mit einem elektrifizierten Antriebsstrang anbieten.

0 %

2030 wird nach internen Schätzungen knapp die Hälfte aller Fahrzeuge mit elektrifiziertem Antriebsstrang ausgeliefert.

Wie erfolgt die digitale Aufwertung der Produkte, von der Sie gesprochen haben?

D. Siegel_ Wir machen zum Beispiel die Drohne feuerwehrtauglich. Zurzeit entwickeln wir sie in ihrer Konnektivität weiter und sorgen dafür, dass die von ihr erhobenen Daten gebündelt und zielgerichtet auf Sicherheitsplattformen zur Verfügung stehen. Auch an einem erweiterten Funktionsspektrum arbeiten wir und daran, höhere Lasten aufnehmen und transportieren zu können, Stichwort: Schwerlastdrohnen. Bei unserem Feuerwehrroboter beschäftigen wir uns ebenfalls mit dem Thema Vernetzung und der Ausweitung der Funktionalität.

Ein anderes aktuelles Forschungsthema sind Assistenzsysteme und Technologien zum autonomen Fahren oder Fliegen. In robotischen Systemen wird man sie künftig genauso vorfinden wie in Feuerwehrfahrzeugen, wenngleich diese natürlich nie autonom unterwegs sein werden. Aber sie werden eines Tages mit anderen autonomen Fahrzeugen kommunizieren müssen, damit diese den Weg freimachen, wenn sie auf Alarmfahrt sind.

Die persönliche Schutzausrüstung von Einsatzkräften wird ebenfalls eine digitale Aufwertung erfahren. So wird smarte Feuerwehrbekleidung zum Beispiel die Vitaldaten ihrer Träger überwachen und die Einsatzleitung automatisch informieren, wenn bei einem Mitglied des Atemschutztrupps eine Hitzeüberlastung droht.

Wie schafft Rosenbauer den Spagat, technologische Grenzen auszuweiten, ohne wirtschaftliche Grenzen zu überschreiten?

D. Siegel_ Indem wir nur standardisierbare bzw. skalierbare Produkte entwickeln, die sich gut bauen lassen, die also möglichst industriell hergestellt werden können und deren Funktionalität exakt auf den jeweiligen Kundennutzen ausgerichtet ist. Je mehr Digitalisierung und Vernetzung im Feuerwehralltag Einzug halten, umso wichtiger werden standardisierte Lösungen, die mit anderen Systemen kompatibel sind oder in diese eingebunden werden können.

Auf der anderen Seite haben wir uns schon vor Jahren so aufgestellt, dass die Beschäftigung mit den Themen der Zukunft unser Tagesgeschäft möglichst wenig beeinträchtigt. Sie werden in der Innovationsabteilung so weit aufbereitet, dass die Kosten der nachfolgenden Produktentwicklung überschaubar bleiben. Ein gutes Beispiel dafür ist unser RT bzw. RTX (für den US-Markt, Anm.), den wir in seinen Grundzügen als Studie vorentwickelt haben, um ihn anschließend professionell zur Serienreife zu bringen. Dass wir dafür die Berliner Feuerwehr und das Los Angeles Fire Department als Entwicklungspartner mit ins Boot holen konnten, zeigt nicht nur, wie wichtig das Thema Elektrifizierung für zwei der führenden Feuerwehrorganisationen in Europa und Amerika ist, sondern auch, wie sehr diese Rosenbauer und seiner Innovationskraft auf dem visionären Weg in die elektrische Zukunft vertrauen. Darüber hinaus arbeiten wir laufend an der Effizienz unserer Prozesse und gehen nur beherrschbare Geschäftsrisiken ein.

Das Thema Nachhaltigkeit spielt im Feuerwehrkontext eine immer größere Rolle. Wie geht Rosenbauer damit um?

D. Siegel_ Auch dafür ist unser elektrifiziertes Feuerwehrfahrzeug ein gutes Beispiel. Es ging bei seiner Entwicklung ja nicht nur um ein zukunftsweisendes Antriebskonzept, sondern um die Menschen, die mit diesem Fahrzeug ihre Einsätze bestreiten. Sie sind mit dem RT – oder RTX – sicherer unterwegs, weil er sich fast wie ein PKW fährt, schonen ihre Gesundheit, weil das Fahrzeug komplett auf Ergonomie getrimmt ist, und sind über weite Strecken des Einsatzes weniger Schadstoffen und Lärm ausgesetzt. Wir entwickeln alle unsere Produkte in einem umfassenden Kontext von Nachhaltigkeit und bringen nur geprüfte, belastbare und ausfallsichere Technik auf den Markt.

Lassen Sie uns zum Schluss noch auf den internen Fokus der Strategie 2030 eingehen. Wohin geht da die Reise?

D. Siegel_ Wir haben dafür das Bild der „Rosenbauer City“ entworfen, einer Stadt als Metapher für das Unternehmen, in der sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Puls der Zeit fühlen, auf Augenhöhe respektvoll zusammenarbeiten, sich aktiv und ohne Barrieren einbringen und ihre persönlichen Ziele verwirklichen können. Wir werden die Menschen bei Rosenbauer somit in den kommenden Jahren noch stärker in den Mittelpunkt stellen, unsere internen Grenzen auch dabei überwinden und eine offene Stadt ohne Mauern für sie bauen.

„Rosenbauer City“ ist als Metapher der langfristigen Strategie von Rosenbauer vorangestellt. Sie will den Menschen noch stärker in den Mittelpunkt des Unternehmens rücken.